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20 Jahre Martin-Luther-Gymnasium Wittenberg

1999 - 2019

29. Mai 2019
…wo Kinderseelen sich entfalten können wie die Blätter der Bäume des Waldes… Hundertwasser, November 1994

Anlässlich der notwendigen Gesamtsanierung der Schule, eines Betonplattenbaus aus den 1970er-Jahren, äußerten die SchülerInnen und LehrerInnen des Gymnasiums den Wunsch, Hundertwasser solle die Schule umgestalten. Der Künstler übernahm die Gestaltung ehrenamtlich. Baubeginn war im November 1997 und die Einweihung fand am 29. Mai 1999 statt.
Seit 1. August 2006 lautet die offizielle Bezeichnung der Schule "Luther-Melanchthon-Gymnasium Wittenberg".

Hundertwasser über dieses Projekt:

Gerade in der Architektur für Kinder, bei Schulen und Kindergärten wurde nach dem Krieg in geradezu verbrecherischer Weise gesündigt.

Die Kinder verbringen ihre kostbarste Zeit, ihre Jugend- und Entwicklungsjahre in Architekturen, die Strafanstalten oder übereinander gestapelten Hühnerställen ähneln, in denen die Seele des Kindes zugrunde geht mit allen bösen Folgewirkungen für unsere Gesellschaft - eigene Träume und Schöpfertum, ohne die der Mensch nicht Mensch sein kann, werden in diesen autoritären, gefühlskalten Erziehungsanstalten bereits im Keim erstickt.

Kopfweh, Unwohlsein, Aggressionen, psychische Störungen und Flucht in Narkotika etc. etc., das ist die Rechnung, die uns allen präsentiert wird.

Ich wurde gebeten, gerade in der Stadt Wittenberg ein Beispiel, ein Pilotprojekt in die vernachlässigte humane Richtung zu geben, nachdem ich mein Anliegen für eine natur- und menschen¬gerechtere Bauweise bereits seit Jahren unter Beweis gestellt habe.

Eine bewaldete, bewandelbare Dachlandschaft, wo die Vielfalt der Spontanvegetation sich mit der Kreativität des Menschen trifft, wo Kinderseelen sich entfalten können wie die Blätter der Bäume des Waldes, der auf dem eigenen Dach wächst.

Ganz abgesehen von dem Anschauungsunterricht in Umweltschutz in diesem beginnenden ökologischen Zeitalter.

Es ist der Kampf - das letzte Rückzugsgefecht der sturen Betonierer, Nivellierer und Begradiger gegen die unvermeidliche Wiedergutmachung an der Natur und der Seele des Menschen.