Hundertwassers druckgraphisches Werk

Ein experimenteller Beginn mit dem Art Club Rotaprint Portfolio 1951
24. Februar 2021
Hundertwassers Tätigkeit in der Kunst der Druckgraphik hat einen unorthodoxen Beginn, entstanden doch seine ersten graphischen Werke nicht in einer der typischen Techniken wie Siebdruck, Radierung, Holzschnitt oder Lithographie, sondern in einer für die Kunst der Graphik völlig unüblichen Herstellungsweise als Rotaprint-Druck.
 
„Alfred Schmeller (damals Vizepräsident des Art Club, Anm.) wollte billige, für jeden erschwingliche Graphik-Mappen herausbringen. Die Maler Josef Mikl und Johann Fruhmann, ich glaube auch Kurt Moldovan, sagten ebenfalls zu“, notierte Hundertwasser in seinem Werkverzeichnis.
 
Das Rotaprint-Verfahren war als Büro-Kopier-System entwickelt worden und für einfarbige Wiedergabe gedacht. Walter Koschatzky, Autor eines ersten kommentierten Werkverzeichnisses der Hundertwasser Graphik, sah in den Rotaprint-Drucken bereits ein für den Künstler signifikantes Vorgehen, da Hundertwasser sofort eine Erweiterung der Möglichkeiten suchte, indem er zwei und auch drei Folien bearbeitete, um mehrere Farben übereinander drucken zu lassen. Nach Koschatzky ist hier bereits im Ansatz zu erkennen, wie Hundertwasser später nach immer stärkeren Bildwirkungen und neuen Ausdrucksmöglichkeiten seiner Graphik strebte.
 
Das Rotaprint Portfolio war nicht erfolgreich, die Nachfrage mehr als bescheiden und Hundertwasser dachte lange Zeit, die Arbeit in der Graphik sei nichts für ihn. Trotz seiner ursprünglichen  Vorbehalte hat Hundertwasser ein herausragendes graphisches Werk geschaffen: experimentell, effektvoll, und er war sensationell erfolgreich damit.
 
Abb: 132/III Mädchen mit Augengläsern und 132/VI Haus mit Blumen (zwei der 9 Blätter)