Vienna, Obere Donaustraße, January - June 1952
Woven by: the artist on the loom of Fritz Riedl and Johanna Schidlo without cartoon or rough sketch, with the co-operation of Schiedlo-Riedl's students Sylvia Tommasoni, Herta Mutter and Bumbi Steiner. Woven in wool with 4 warp threads/cm.
2800 mm x 1400 mm
Collection: KunstHausWien, Vienna
Hundertwassers Kommentar zum Werk:
Der Gobelin, den ich 1952 in Wien webte, entstand nur dadurch, weil ich mit den Webern Riedl und Schidlo eine Wette abgeschlossen hatte, und zwar behaupteten die beiden, man kann einen Gobelin nur nach einem Karton weben, also nach einer Unterlage in der Größe des Kartons selbst. Ich behauptete, man kann einen Gobelin weben auch ohne solche Vorkehrungen, ohne Karton. Da ich insistierte, brachte ich die beiden dazu, mir einen Webstuhl zu borgen. Ich habe den Webstuhl selber durch die Stadt geschleppt, ich glaube mit einem Handwagen, die beiden Weber haben mir geholfen, den Webstuhl aufzustellen, haben mir Wolle geborgt und dann begann ich zu weben. Ich wunderte mich, wie lange das dauerte, ich konnte jeden Tag nur ein paar Millimeter in die Höhe kommen, also nur ein paar Millimeter weben. Das war deshalb, weil man mit dem Kamm-Hammer immer die Wolle in die Kette zusammenschlagen muß, dadurch werden aus 10 cm nur 1 oder 2 Millimeter. So habe ich mich langsam emporgearbeitet an dem Gobelin, und es dauerte 6 Monate, wo ich von 8 Uhr früh bis 8 Uhr abends ununterbrochen daran arbeitete. So viel habe ich noch nie in meinem Leben gearbeitet. Ich begann mit den Zehen, daraus wurde dann ein Hosenbein, rechts daneben ein Haus, und während man so webt, denkt man immer, was als Hintergrund oder darüber sein könnte. Da ich mit einer Hose beginn, muß natürlich ein Körper, Arme und zum Schluß ein Kopf kommen, im Hintergrund eben Fenster, wenn man schon Fenster macht, muß das Ganze ein Dach bekommen, und so brachte ich den Gobelin fertig und habe eine Wette gewonnen. Es ist natürlich schon interessant, so alleine zu weben, monatelang, man beginnt im Frühling, es wird Sommer, es wird Herbst und Winter und es geht nur millimeterweise vorwärts. Man arbeitet mit allen vier Gliedmaßen, mit dem rechten Fuß, mit dem linken Fuß, mit der rechten Hand und mit der linken Hand. Ich habe Fotos von dieser Zeit, wo ich ausschaue wie ein Affe, der mit allen vier Händen arbeitet. (aus: Kat. Haus der Kunst, München 1975, S. 312 f.)
Hundertwasser lieh diese Tapisserie Jean Dubuffet, Paris, Frühjahr 1954.
 
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